Turbo-Abitur (G8):

Wenn von einem „Turbo-Abi“ oder der „G8“ gesprochen wird, ist die Verkürzung der Schulzeit auf zum Abitur führenden Schulen (wie zum Beispiel auf Gymnasien) von neun auf acht Jahre gemeint. Diese Verkürzung hat zur Folge, dass SchülerInnen das Abitur bereits nach der Klasse 12 anstatt erst nach der Klasse 13 erhalten. Das birgt den Vorteil, dass SchülerInnen bereits ein Jahr früher in ein Studium oder einen Beruf einsteigen können. Es wird jedoch befürchtet, dass die Verkürzung der Schulzeit die Qualität des Abiturs mindern wird und den Schülern ihre Freizeit nimmt.

In anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel Frankreich, Irland oder Schweden ist ein weiterführender Schulabschluss in 12 Lernjahren bereits Alltag. Die deutschen Kultusminister versprechen sich von einer Schulzeitverkürzung, dass deutsche Akademiker mehr Chancen im internationalen Vergleich haben, da sie nun ein Jahr jünger in den Beruf einsteigen können als früher. Die Kultusminister konnten sich jedoch bisher nicht auf Kürzungen am Lehrplan einigen, sodass der gesamte Inhalt des wegfallenden Schuljahres quasi nebenher, auf die restlichen Schuljahre verteilt, gelernt werden muss. Als Resultat sind Stundenpläne mit 35 bis hin zu über 40 Unterrichtsstunden pro Woche keine Seltenheit mehr. Einige Gymnasien werden so praktisch zu Ganztagsschulen, ohne jedoch das Angebot and wichtigen Dingen wie Mittagessen in der Schule, einem besseren Stundenrhythmus oder einer ausgedehnten Mittagspause aufzubessern. Eine weitere große Belastung für die Schulen ist die erhöhte Stundenzahl in Verbindung mit dem sich verschlimmernden Lehrermangel. Immer weniger Lehrer müssen immer mehr Stunden abdecken. Das führt zu Frust bei Lehrern wie bei Schülern. Viele Lehrer beschweren sich, dass sie nicht mehr genügend Zeit hätten, den Unterricht ordentlich vorzubereiten und Schüler klagen auch darüber, dass sie die Schule nun so in Anspruch nimmt, dass sie keine Zeit bzw. keine Energie für andere Aktivitäten wie Musikunterricht oder Fußballtraining haben. Manche sprechen sogar schon von einem „Tod der Kindheit“. Die Folgen der strafferen Stundenpläne schlagen durch alle Gebiete des Alltags. Eltern klagen, dass das Lehrpensum ihrer Kinder den Familienalltag belaste und Kinderärzte schlagen Alarm, weil immer mehr und mehr Kinder unter G8 an Stresssymptomen wie Bauchschmerzen, Ess- und Schlafstörungen sowie Albträumen leiden. Als Reaktion darauf hat nun NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) vorgeschlagen, den Unterricht am Samstag wieder einzuführen, um die SchülerInnen in der Woche zu entlasten. Oppositionsparteien wie SPD, Grüne und Gewerkschaften kritisieren den Vorschlag.